Exkursion nach Hannover 19. bis 21.09.2014

Ein Reisebericht
von Gabriele Klatte


Am 19. September 2014 begab sich eine Reisegruppe der Händel-Gesellschaft „auf Händels Spuren“ nach Hannover. Dort erinnerte das Land Niedersachsen mit einer großen kulturhistorischen Ausstellung der 123 Jahre dauernden Regentschaft der Hannoverschen Kurfürsten auf Englands Thron. In fünf Ausstellungen zum Thema „Als die Royals aus Hannover kamen. Hannovers Herrscher auf Englands Thron“ wurde das Wirken der fünf englischen Könige aus dem Hause Hannover, beginnend mit Georg I. (Händels Dienstherr Kurfürst Georg Ludwig anfangs in Hannover und später in London) gewürdigt.

 

 

Und damit die Musik in diesem Ausstellungsmarathon nicht zu kurz kam, hatten einige Mitglieder thematisch passende musikalische Beiträge vorbereitet: Zum Reisebeginn im Bus gab Frau Dr. Zauft uns einen Einblick in die Geschichte des Hannoverschen Hofes zu Zeiten der Kurfürstin Sophie. In diese Zeit fällt auch Händels Ernennung zum Hofkapellmeister.  Die Kurfürstin hat sich in ihren Briefen an ihre Enkelin, die preußische Kronprinzessin Sophie Dorothea, sehr lobend über ihn geäußert. Sein Vorgänger, Agostino Steffani, war Hofkapellmeister, Komponist und eine Art Diplomat am Kurfürstlichen Hof. Er wurde parallel zur Ausstellung mit einem internationalen und interdisziplinären Symposium gewürdigt. Karin Zauft machte uns mit Steffanis Oper „Enrico Leone“ vertraut, unter Verwendung einer seltenen und guten CD-Aufnahme.

 

Nach einer kleinen Mittagspause und dem Einchecken im Hotel besuchten wir die erste von drei Ausstellungen: Im Niedersächsischen Landesmuseum, mit der Ausstellung „Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714-1837“, wurde die Frage behandelt, wie es kam, dass ein deutscher Fürst auf dem englischen Thron landete und Herrscher eines Weltreiches wurde. Dabei wurde die Prachtentfaltung am Londoner Hof ebenso beleuchtet wie auch das Wirken Georg Friedrich Händels oder Gottfried Wilhelm Leibniz‘ am königlichen Hof.

Die Ausstellung zeigte prachtvolle Porträts der kurfürstlichen und englischen Könige und deren Familien, auch die Staatskrone Georgs I. und das originale Händelporträt von Philipp Mercier. Viele der Exponate sind Leihgaben aus der Royal Collection Ihrer Majestät Königin Elisabeth II.

 

Für den Abend war im Hotel ein Essen bestellt, zu dem sich auch der Präsident der Händel-Gesellschaft, Herr Professor Hirschmann gesellte, der am Steffani-Kongress teilgenommen hatte. Es wurde ein geselliger schöner Abend, an dem sich die Reiseteilnehmer auch miteinander bekannt machen konnten.

 

Am nächsten Vormittag (20.9.) besuchten wir Schloss Herrenhausen. Dort wurde die Vorgeschichte der Personalunion, beginnend mit dem jungen Kurfürstentum Hannover behandelt. In dieser Ausstellung ergänzten Exponate der berühmten Wallmoden-Sammlung die Schau (Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn, illegitimer Sohn Georgs II.).

Die dritte Ausstellung befand sich im wunderschönen Georgengarten im Wallmodenpalais, heute Wilhelm-Busch-Museum. Hier wurden die Könige aus dem Haus Hannover und deren Familienmitglieder mit all ihren charakterlichen und politischen Schwächen als „Königliches Theater“ aus dem Blickwinkel der Karikatur dargestellt. Die Händelfreunde entdeckten auch Kupferstiche von William Hogarth.

Am Abend dann wurde in den Herrenhäuser Gärten ein Feuerwerk innerhalb des „Internationalen Feuerwerkswettbewerbs 2014“ gezündet. Die Reisegruppe zog mit Decken, Regenmänteln und Picknick auf das Gartengelände und genoss das vielfältige Unterhaltungsprogramm, das Essen und den Wein und freute sich über das Wetter, das die 80prozentige Regenwahrscheinlichkeit erfreulicherweise ignorierte. Das Feuerwerk zu griechischer und deutscher Musik war sehr vielfältig mit wunderschönen „Bildern“ und ein beeindruckender Abschluss des Abends. Satt, fröhlich und etwas müde bestiegen wir unseren Bus, der uns ins Hotel zurückbrachte.

 

Nach einer Stadtführung am nächsten Morgen, die teilweise etwas verregnet war, begaben wir uns auf den Heimweg.  Bernd Leistner hatte für die Rückreise einen Beitrag zu Hecken- und Gartentheatern vorbereitet (das Herrenhäuser Gartentheater hatten wir vom Vorabend noch in bester Erinnerung). Wir erfuhren, wie viele Opernkomponisten den lauschigen Garten mit Labyrinthen aus geschnittenen Hecken für ihre Handlung nutzten. Nachdrückliches Beispiel war sein Bühnenbild für Händels Oper „Flavio“. Die Sänger suchten und fanden sich in einer kunstvollen Heckenlandschaft. Dazu hatte er die passende CD mit Aufnahmen einiger Arien aus der von ihm ausgestatteten Oper. Die wundervolle Musik Händels begleitete uns dann auf der verregneten Rückfahrt nach Halle.

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