Samson HWV 57, (I/18.1,2: Notenband mit Kritischem Bericht, 2 Teilbände), herausgegeben von Hans Dieter Clausen, Kassel 2011

Händel komponierte das Oratorium „Samson“ zwischen dem 14. September und dem 29. Oktober 1741. Er bearbeitete es umfassend im Herbst und Winter 1742 und führte es am 18. Februar 1743 in London im Königlichen Theater in Covent-Garden zum ersten Mal auf. Mit sieben Wiederholungen innerhalb derselben Saison war es eines seiner erfolgreichsten Werke. Weitere Aufführungen folgten in London unter Händels Leitung 1744, 1745, 1749, 1750, 1752, 1753, 1754, 1755 und 1759.

Den Text stellte Newburgh Hamilton aus John Miltons Lesedrama „Samson Agonistes“ und weiteren Werken Miltons zusammen. Vermutlich begann Händel mit der Arbeit an „Samson“ bald nach der Beendigung des „Messiah“ am 14.9.1741. Er beendete den ersten Akt am 29.9., den zweiten am 11.10. und den dritten am 29.10., die Rezitative und einige oder alle Accompagnati ließ er zunächst unvertont und schrieb nur ihren Text zwischen leere Notenzeilen. Diese Fassung des Oratoriums, die Urfassung, ist im Anhang Ia dieser Ausgabe zum ersten Mal veröffentlicht. Sie ist kürzer als die schließlich aufgeführte Fassung.

Nach seiner Rückkehr nach London Ende August 1742 bearbeitete Händel das Werk. Er kürzte die Rezitative, erweiterte die Partie des Micah für Susannah Cibber und vertonte die Rezitative. Nachdem Händel seine Besetzung festgelegt hatte, berücksichtigte er die Vergrößerung seines Solisten-Ensembles und fügte für seine neuen Sänger Avoglio, Edwards und Lowe neue Arien sowie Bearbeitungen von Arien ein, die zuvor für Micah bestimmt waren. Die Fassung der Uraufführung ist das Ergebnis von zwei Kürzungen, der umfangreichen ersten vor der Vertonung der Rezitative und einer späteren zweiten, die sich auf eine Szene im zweiten Akt beschränkte. Trotzdem erwies sich das Oratorium bei der ersten Aufführung als zu lang und wurde vermutlich bald darauf gekürzt. Weitere Kürzungen dürften nötig geworden sein, weil in den Aufführungen der zweiten Subskription wegen fester Verpflichtungen an den Theatern nicht immer alle Sänger zur Verfügung standen.

Unter so günstigen Bedingungen wie 1743 und mit einem so großen Solisten-Ensemble konnte Händel den „Samson“ nicht wieder aufführen. Niemals wieder verfügte er über zwei Bassisten, so dass so unterschiedliche Charaktere wie Manoa und Harapha von demselben Sänger repräsentiert werden mussten. Manchmal standen ihm zwei Soprane, manchmal eine Altistin und ein Altist zur Verfügung. Die Arien anonymer Personen ließen es dann zu, die Gewichte neu zu verteilen. So konnten originale Tenor-Arien auch von einem Sopran gesungen werden. Mehrmals wurde die Partie des Micah aufgeteilt. Trotz dieser marginalen Veränderungen gewann das Oratorium im Verlaufe der Wiederaufführungen im Kern eine feste Gestalt, die bedeutend kürzer war als die zuerst aufgeführte. Diesen Kern verdankt es hauptsächlich dem Respekt, den Händel der klassischen Vorlage erwies, indem er die in anderen biblischen Oratorien üblichen „additions and alterations“ hier weitgehend vermied.

Die in der ersten Saison gekürzten Rezitative sind (soweit sie nicht durch Klammern darstellbar waren) im Paralleldruck, alternative Fassungen und Zusätze aus späteren Aufführungen bis 1759 im Anhang II wiedergegeben.

Die Fassung von 1743 ist am besten mit 7 Solisten (SSATTBB) zu realisieren. Für Aufführungen mit einer kleineren Besetzung und einer kürzeren Aufführungsdauer bietet eine Konkordanz mit allen Werkfassungen viele Anregungen. Es ist möglich, einer dieser Fassungen genau zu folgen.

Diese Ausgabe bietet zum ersten Mal die Möglichkeit, Händels „Samson“ in der Urfassung von 1741 mit dem tragischen Schluss aufzuführen. Auch die Zwischenfassung von 1742 ist vollständig erhalten und lässt sich aus dem Haupttext und den Anhängen Ia und Ib kombinieren.

 

(Quelle: Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, Jahresbericht Hallische Händel-Ausgabe 2011)

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