Händel und die Musikgeschichte des Hauses Hannover 10. und 11. Juni 2014

Die Hannoveraner Jahre Georg Friedrich Händels erscheinen auf den ersten Blick als wenig bedeutendes Intermezzo in der Biografie des Komponisten, als Zwischenhalt auf dem Weg in die englische Kulturmetropole London: Nur zwei Jahre steht Händel als Kapellmeister und Nachfolger Farinellis im Dienste des Welfenhofes, ehe er Kurhannover im Zuge seiner zweiten Londonreise im Herbst 1712 endgültig den Rücken kehrt. Unter den Kompositionen dieser Periode finden sich Kammerduette, deutsche Lieder, Klavierstücke und Instrumentalwerke für das kleine Kammerorchester – Opern jedoch wurden am vom machtpolitischen Ringen um die englische Krone in Anspruch genommenen Hof nicht gegeben.

 

Trotz dieser vermeintlich negativen Vorzeichen erweist sich die Zeit als Kapellmeister als überaus ertragreich für den späteren Werdegang Händels: In Hannover profitiert er von der regen Synthese französischer und italienischer Musikkultur, studiert die Kompositionen Agostino Steffanis – einem seiner Vorgänger im Kapellmeisteramt – und knüpft den Kontakt zum Kurfürsten Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg, welcher ab 1714 als englischer König George I. das United Kingdom of Britain und Kurhannover in Personalunion regiert.

 

(Foto: Patricia Reese)(Foto: Patricia Reese)

Die 300. Jährung der Inthronisierung Georg Ludwigs nahmen das Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft und die Stiftung Händel-Haus zum Anlass, um im Rahmen der diesjährigen Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz zu den Händel-Festspielen am 10. und 11. Juni den engen Konnex zwischen Händel und den Welfenherrschern des Hauses Hannover einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Unter dem Motto „Georg und Georg / George and George“ fokussierten die interdisziplinären Vorträge sowohl die historischen Hintergründe und Rahmenbedingungen der Personalunion zwischen dem englischen Königshaus und Kurhannover (1714–1837) als auch deren Bedeutung für das Leben und Wirken Georg Friedrich Händels. Mit der Analyse zahlreicher Krönungsmusiken und Festopern aus der Zeit der Personalunion sowie der medialen Rezeption der Händelschen Werke stand dabei vorrangig die Frage nach der Rolle dessen Musik im höfischen Kontext und im öffentlichen Raum im Mittelpunkt der Referate. Die epochenübergreifende Betrachtung der Welfenhöfe als musikalische Wirkstätte für zahlreiche Komponisten, Instrumentalisten und Sänger vom 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert öffnete gleichzeitig den Blick für die umfangreiche Musikgeschichte des Hauses Hannover, welche sich im kulturellen Spannungsfeld stilistischer Einflüsse aus Italien, Frankreich und Großbritannien widerspiegelt.


Den großen Erfolg der diesjährigen Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz zu den Händel-Festspielen belegte die durchweg positive Resonanz des Plenums, welche nicht zuletzt in der regen Diskussionsteilnahme zum Ausdruck kam. Für eine umfassende Darstellung der einzelnen Referate sei an dieser Stelle auf den ausführlichen Tagungsbericht auf den Seiten der Gesellschaft für Musikforschung verwiesen.

 

Pascal Schiemann, Halle (Saale)

Veranstalter
Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft e. V., Internationale Vereinigung

Institut für Musik, Abt. Musikwissenschaft, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Stiftung Händel-Haus
Sponsoren
Die Konferenz wird gefördert durch eine großzügige Spende des International Joint Concert Organizing Committee Japan und des Freundes- und Förderkreises des Händel-Hauses zu Halle e. V.

Die Konferenz ist in das Forschungsprogramm des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) an der Martin-Luther-Universität Halle- Wittenberg auf genommen worden.

Der Internationale Händel-Forschungspreis wird mit freundlicher Förderung von der Stiftung der Saalesparkasse vergeben.
Georg I. von Großbritannien und Georg Friedrich Händel bei einer Bootsfahrt auf der Themse
Gemälde von Edouard Jean Conrad Hamman (1819-1888)
(Bildquelle: Wikimedia Commons)
Veranstaltungsort
Händel-Haus, Kammermusiksaal
Große Nikolaistraße 5
06108 Halle
Tel. 0345/–500900

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei und steht allen Interessierten offen. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.
Kontakt
Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann
Institut für Musik
Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft
wolfgang.hirschmann[at]
musikwiss.uni-halle.de

Dr. des. Annette Landgraf
Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft
landgraf[at]musik.uni-halle.de

Dr. Konstanze Musketa
Stiftung Händel-Haus
konstanze.musketa[at]
haendelhaus.de
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